Hexactinellidae, Glasschwämme
Metazoa, Vielzeller
Porifera, Schwämme

 

 

Suchst du nach Unsterblichkeit, dann findest du sie in diesen Geschöpfen! Schönheit im Grössten, wie im Kleinsten, Unzerstörbarkeit, uralt und zeitzeugend in tausenden von Jahren. Keinesfalls unscheinbar, doch den meisten Menschen unbekannt. Aber sie gehören zu den ersten, die entstanden & kennen die Erde, seit sie jung war.  Sie sind stumm & geben Wohnung, Werkzeug und Heilmittel & ohne sie wäre das Meer nie so rein!

 

 

Glasschwämme findest du vom Küstenbereich bis in die Tiefsee. Schwämme sind die einfachsten Vielzeller die bis heute existieren. Sie bilden das erste Bindegewebe & besitzen nur wenige speziallisierte Zelltypen. Besonders erwähnenswert sind ihre omnipotenten Zellen: diese können sich in jeden beliebigen Zelltyp, den der Schwamm besitzt, verwandeln. Dadurch kann sich das Tier komplett regenerieren. Ein Versuch zeigt, das ein Schwamm, der durch ein Sieb gepresst wurde, sich neu zusammenfügt.
Um sich selbst zu Stützen bilden Schwämme ein Spongingewebe, eine Art Bindegewebe an dem seine Zellen anhaften. Der  "Badeschwamm" ist sozusagen ein "Skelett". Die meisten Schwämme bilden aber noch zusätzlich Nadeln, Sklerite. Beim Glasschwamm bestehen diese sechsstrahligen sklerite aus Siliziumdioxid (Kieselsäure; biogener Opal) und spongin wird nicht gebildet, was ihm ein grazieles Aussehen verleiht. Sie werden sowohl in Nano-Grösse (1nanometer, 1nm = ein millionstel Millimeter), als auch bis zu 3 Metern Länge gebildet (Monoraphis chuni). Mit diesen Megaskleriten verankert sich die Monoraphis chuni im Sediment der Tiefsee. Betrachtest du solch eine Nadeln gegen das Licht, dann siehst du  das Opalisieren. Durch eine spezielle Präparation kannst du die Microsklerite isolieren & unter dem Mikroskop betrachten. Die Bilder habe ich mit einem Elektronenmikroskop gemacht. Jeder Schwamm hat seine bestimmten Sklerite an dem du ihn bestimmen kannst. Glasschwämme haben die schönsten Sklerite.

 

 

Nach neuesten Erkenntnissen der Forschung hat man eine neue Bedeutung der Glasnadeln erkannt. Sie dienen dem Schwamm nicht nur als Stabilisierung (nach der Physik eine der stabilsten Konstuktionen der Natur), sondern auch als Lichtleiter (und damit als Vorlage für bessere Glasfasertechnik: elastisch und beinahe unzerbrechlich bei bester Lichtleitfähigkeit)! Viele Schwämme symbiotisieren mit Algen als Energielieferanten (wie auch die Korallen). Damit die Algen das zur Photosynthese benötigte Licht auch Tief im Inneren des Schwammes erhalten, leiten die Sklerite es weiter. Dies gilt hauptsächlich für Glasschwämme, die im Oberflächenbereich leben. Bei Tiefseeschwämmen vermutet man Biolumineszens. Warum Schwämme sich  im Laufe der Evolution Biolumineszenz angeeignet haben bleibt ein Geheimnis. Denn die Beute der Schwämme (Bakterien und planktonische Einzeller) ist zu klein und unbeweglich, um mit Licht angelockt zu werden & da Schwämme sessil leben, können sie keine Geschlechtspartner anlocken. Allerdings ist ein Monoraphis, der in stockdunkler Tiefe aus sich heraus leuchtet eine wunderschöne Vorstellung.

 

 

 

Euplectella aspergillum, Venuskörbchen

Wird in Japan als Hochzeitsgeschenk vergeben, da kleine Garnelenlarven zum Schutz vor Fressfeinde durch das Geflecht des Glasschwammes schwimmen. Meist findet man darin ein Männchen und Weibchen, die im Schwamm den Rest ihres Lebens verbringen & den Nachwuchs ins Freiwasser entlassen.

 

 

Quellen:

Forschungsinstitiut Senckenberg Frankfurt/ Main, Marine Evertebrata 1

Kükenthal, Spektrum Akademischer Verlag Heidelberg - Berlin